Die Fehler der Stundensatzkalkulation

Ich bin eine Verfechterin des klassischen Stundensatzes für alle, die mit der Selbstständigkeit beginnen. Wer schon länger dabei ist oder aus der Anstellung entsprechende Erfahrung mitbringt, mit dem arbeite ich auch gerne an einer (Kunden-)Nutzen orientierten Preisgestaltung.

Zu Beginn sehe ich aber deutliche Vorteile beim Stundensatz

Die Berechnung des Stundensatzes bietet sich gerade zu Beginn einer Selbstständigkeit an, um sich sehr intensiv unter anderem mit den Themen Ausgaben, Kosten, Investitionen, Rücklagen und Gewinn auseinander zu setzen.
Außerdem hilft die Berechnung dabei das Mindset entsprechend aufzubauen und ggf. unternehmerisches Denken zu entwickeln.

Stundensätze haben aber auch Nachteile

Tatsächlich habe ich bei meinen Beratungen und auch bei den Prüfungen von Kalkulationen im Zusammenhang mit meinem Kalkulationscheck, immer wieder eine Sache beobachtet:

Der Charakter hat Einfluss auf die Kalkulation

Auch bei ähnlichen Kostenstrukturen unterscheiden sich die errechneten Preise sehr stark. Je nach Ziel, eigenen Werten und Charaktereigenschaften schwanken die Preise deutlich.

Während einige bereits zu Beginn viele Fortbildungen und Investitionen im Hinterkopf haben und dieses bereits einrechnen, haben andere einen sehr vorsichtigen Gründungsgedanken und versuchen zunächst sparsam zu sein und „klein anzufangen“. Im zweiten Fall wird der Preis bei gleicher Leistung deutlich geringer sein.

Die mangelnde Berücksichtigung der Zielgruppe

Deine Zielgruppe lebt im besten Stadtteil von München? Das Familieneinkommen ist überdurchschnittlich und die Zahlungsbereitschaft groß?
Kannst du dann nicht einen viel höheren Stundensatz verlangen, als deine Kollegin, deren Kunden im ländlichen und strukturschwachen Bereichen angesiedelt sind, mit geringem Haushaltseinkommen?

Auch das ist ein Nachteil der Stundensätze, die Zahlungsbereitschaft der Zielgruppe wird oft nicht beachtet.

Der Wert deiner Arbeit wird nicht berücksichtigt

Je nach Kostenstruktur kann der errechnete Stundensatz sich bei gleicher Aufgabe für den gleichen Kunden sehr stark unterscheiden.
Habe ich sehr geringe Kosten und biete einen entsprechend geringen Preis, so finde ich kurzfristig vielleicht schneller Kunden, ich verschenke aber auch Gewinne! Der finanzielle Vorteil durch die geringen Kosten wird verschenkt und somit wertvolle Ressourcen.

Mein Fazit

Trotz der Nachteile sehe ich den Stundensatz immernoch als Grundlage für die Preisgestaltung.

Eine gute Kalkulation zeigt uns unsere Preisuntergrenze,
schafft Verständnis für die eigenen Zahlen und die benötigte Höhe von Rücklagen für Wiederbeschaffungen, Urlaub, Steuer etc.
Auch gibt es uns Sicherheit bei der eigenen Preisgestaltung und unterstützt bei noch wenig Erfahrung bei der Erstellung von Angeboten.