Von Äpfeln und Birnen – Wieso wir Stundensätze und Gehälter nicht vergleichen können

Kennst du die folgende Situation?

Wir treffen uns mit Freunden und erzählen von unserer Arbeit, dann fragt jemand was wir pro Stunde berechnen.
Auf unsere Antwort kommt dann:
„Selbstständig müssen man sein.“ oder
„Wow, das würde ich auch gerne verdienen.“

Vielleicht ist dir auch schon folgendes passiert:

Du schickst ein Angebot an einen potenziellen Auftraggeber und bekommst als Antwort:

„Da kann ich ja jemanden für anstellen!“

Warum wir immer vergleichen

Vergleichen ist menschlich! Automatisch suchen wir eine Möglichkeit um Angebote einzuordnen. Wenn keine Erfahrung vorhanden ist und keine passenden Zahlen zum Vergleich vorliegen, dann nutzen wir das nächst naheliegende.
Wenn wir unseren Stundensatz nennen und unser Gegenüber hat keinen Vergleich, sind Gehälter eine zunächst naheliegende Möglichkeit um unseren Stundensatz zu bewerten.

Leider ist das ein Vergleich von Äpfeln und Birnen, denn der Stundensatz eines Selbstständigen lässt sich schlicht nicht direkt mit dem Gehalt eines Angestellten vergleichen.

3 Gründe, wieso der Vergleich hinkt

1. Ein Brutto-Gehalt spiegelt nicht die vollen Kosten wieder, die ein Arbeitnehmer verursacht.
Bei einem Brutto-Gehalt von monatlich 3000€ kommen für den Arbeitgeber noch ca. 690€ an Arbeitgeberanteilen für die Socialversicherung dazu.

2. Für Selbstständige gibt es in der Regel keine Zahlung im Urlaub oder während einer Krankheit. Angenommen ein Angestellter hat 30 Tage Urlaub und ist 7 Tage pro Jahr krank, so erhält er dennoch für diese 37 Tage sein Gehalt. Dies entspricht bei einem monatlichen Brutto-Gehalt von 3000€ einem Wert von ca. 5000€ pro Jahr, also ca. 415€ im Monat.

3. Neben Gehalt und Arbeitgeberanteilen an die Sozialversicherungen entstehen dem Arbeitgeber weitere Kosten. Unter anderem für den Arbeitsplatz (Mietkosten, Schreibtisch, Laptop, Licht, Drucker, etc) sowie für Wasser, Strom oder Toilettenpapier. Je nach Arbeitgeber kommen noch Kosten für Lebensmittel, Getränke, Kaffee sowie Weihnachts- oder Urlaubsgeld hinzu.
Ein 13tes Gehalt würde in unserem Beispiel monatliche zusätzliche Kosten von ca. 307€ verursachen.

Alleine mit den Arbeitgeberanteilen, den indirekten Kosten für Urlaub und Erkrankung, sowie für ein 13tes Gehalt  liegen wir somit bei 4412€. Dazu kämen noch die Kosten für Wasser (Trinkwasser, Spülwasser, Händewaschen, Trinken), Toilettenpapier, Strom, sowie Büroausstattung und Arbeitsmaterial.

Wenn also das nächste mal jemand deinen Stundensatz mit einem Gehalt vergleicht, dann schicke ihm doch diesen Artikel!
Bist du dir dennoch unsicher mit deinem Stundensatz? Dann hilft dir einer meiner Online-Kurse!