Kaffeetasse auf Tisch

Sollen wir, zu Beginn einer Selbstständigkeit, bewusst einen niedrigen Preis wählen?

Welchen Einstiegsstundensatz sollten wir, zu Beginn einer selbstständigen Tätigkeit, wählen?

Die Frage beschäftigt einige und es gibt unterschiedliche Meinungen.

Für viele erscheint es sinnvoll, erstmal klein anzufangen und mit einem (im Vergleich) niedrigen Stundensatz zu beginnen.
Der Vorteil: Die Kundenakquise ist vermeintlich leichter, dadurch kann man sich schneller einen Kundenstamm aufbauen, wird ggf schneller empfohlen.

Oft ist es auch das eigene Gefühl, dass einem dazu rät!

„Ich fange ja erst an.“
„Ich bin unerfahren.“
„Ich muss erstmal rein kommen.“
„Bin ich das schon wert?“

Nun, in der Regel machen wir uns nicht mit einer Tätigkeit selbstständig, die wir überhaupt nicht beherrschen. Für dein Know-How zählt durchaus auch deine Erfahrung aus der Anstellung, aus Aus- und Weiterbildung oder privatem Interesse.
Auch wenn die Selbstständigkeit Neuland ist, haben wir unseren Kunden durchaus einiges zu bieten.

Welche Schwierigkeiten bringt ein günster Stundensatz mit sich?

Die Kundengewinnung ist zunächst tatsächlich oft einfacher, wenn der Preis niedriger ist. Schließlich scheuen wir alle große Ausgaben. Sehr häufig sind es aber auch die unerfahrenen Kunden, oder knauserige und schwierige Kunden, die gezielt nach günstigen Anbietern schauen.
Mit einem sehr günstigen Stundensatz, locken wir also schnell „die falschen“ Kunden an.
Manchmal fällt es uns auch schwer, gleich einen angemessenen Stundensatz anzubieten, da mangelnde Erfahrung uns verunsichert.

Was passiert, wenn wir uns erstmal mit einem günstigen Stundensatz einen Kundenstamm aufgebaut haben?

Wir bekommen Probleme, einen höheren Satz durchzusetzen. Auch wenn Preiserhöhungen keine Seltenheit sind, große Preissprünge oder auch regelmäßige kleine Erhöhungen werden nicht gerne gesehen.

Heutzutage werden viele Jobs auch über Empfehlungen vergeben. Die Kunden reden über uns. Wenn wir aber der häufigen Empfehlung folgen und bei jedem neuen Kunden, den Stundensatz um ein paar Euro anheben, werden sich die Kunden auch irgendwann wundern.
„Bei mir hat sie noch XX€ berechnet, warum bei dir dann +10€?“

Einen sehr kalkulatorischen Gedanken habe ich noch:

Wenn wir unsere Selbstständigkeit starten, haben wir häufig zunächst einen hohen Aufwand an Zeit, die nicht an einen Kunden abgerechnet werden kann. Häufig wird ca 50% der Arbeitszeit für Kundenakquise, den Aufbau, netzwerken etc eingesetzt. Starte ich nun mit einem sehr niedrigen Stundensatz und habe parallel auch nur wenige abrechenbare Stunden, wird die Selbstständigkeit schnell unwirtschaftlich, Frust gewinnt die Überhand und Reserven sind schnell aufgebraucht.

Was sind meine Tipps?

Anstatt dich selber abzuwerten, investiere lieber in einen guten Auftritt und Marketingmaßnahmen, dies hilft dir langfristig.

Statt eines günstigen Stundensatzes, kannst du ein Start-Angebot mit einem begrenzten Zeitraum machen.

Lasse dich auf einen Preiskampf nicht ein! Diesen kannst du nicht gewinnen. Überzeuge mit der Qualität deiner Arbeit.

Mache dir bewusst,was du kannst, was du bietest und was das dem Kunden nützt!