Kleinunternehmerregelung

Die Kleinunternehmerregelung aus preisstrategischer Sicht

In diesem Beitrag geht es darum, welche preisstrategischen Vorteile es haben kann, die Kleinunternehmerregelung zu wählen und was dabei, aus kalkulatorischer Sicht, beachtet werden muss.

Wenn du noch schwankst, ob du diese Option nutzen willst oder nicht, dann solltest du jetzt weiterlesen.

Was ist die Kleinunternehmerregelung?

Starten wir mit der Frage, was die Kleinunternehmerregelung ist.

Wenn wir uns selbstständig machen und den steuerlichen Erfassungsbogen vom Finanzamt bekommen, dann spätestens stehen wir vor der Frage, ob wir die Kleinunternehmerregelung nutzen wollen. Die Kleinunternehmerregelung betrifft allein die Umsatzsteuer. Normal sind wir verpflichtet unsere Rechnungen mit Umsatzsteuer auszuweisen. Die eingenommene Umsatzsteuer schulden wir unserem Finanzamt, im Gegenzug erhalten wir gezahlte Umsatzsteuer (dann Vorsteuer genannt) vom Finanzamt zurück. Dies passiert mit der Umsatzsteuervoranmeldung, die wir monatlich, vierteljährlich oder jährlich abgeben müssen. Welcher Zeitraum für dich der richtige ist, bestimmt dein Finanzamt.
Nutzen wir die Kleinunternehmerregelung, dann entfällt das alles. Wir dürfen keine Umsatzsteuer mehr auf der Rechnung ausweisen und uns im Gegenzug keine Vorsteuer mehr ziehen. Auch die Umsatzsteuervoranmeldung entfällt.
Ob die Kleinunternehmerregelung für uns in Frage kommt, ist abhängig von der geschätzten Höhe unseres Umsatzes. Bis zu einem (geplanten) Umsatz von 22.000€ im Jahr ist die Wahl möglich.

Es gibt viele Meinungen zu der Frage, ob man die Kleinunternehmerregelung nutzen sollte oder nicht. Einen Vorteil sehen viele in der Arbeitserleichterung (keine Umsatzsteuervoranmeldung), gerade zu Beginn, wenn die eigene Buchhaltung noch eine Hürde darstellt.

Parallel gibt es Einwände, schließlich begrenzt die Kleinunternehmerregelung die Umsätze auf das aktuell gültige Limit. Wenn du deinen Lebensunterhalt mit deiner Selbstständigkeit bestreiten willst, ist dieses Limit schnell erreicht. Daher lohnt sich die Kleinunternehmerregelung meist nur für nebenberufliche Gründungen.

Generell empfehle ich dir, bei steuerlichen Fragen immer die entsprechenden Fachkräfte zu befragen, also Steuerberater oder z.B. die Gründerberatung. Auch meine Informationen hier ersetzen keine steuerliche Beratung und stellen auch keine steuerliche Beratung dar. Weitere Informationen zur Kleinunternehmerregelung findest du auch hier.

Die Kleinunternehmerregelung aus preisstrategischer Sicht

Heute soll es um die Frage gehen, ob die Kleinunternehmerregelung aus preisstrategischer Sicht auch Vorteile bieten kann.

Es gibt Gründe, sich bewusst für die Kleinunternehmerregelung zu entscheiden. Abgesehen von der Arbeitserleichterung und dem Aufwand in der Buchhaltung.

Mit der Nutzung der Kleinunternehmerregelung weise ich keine Umsatzsteuer auf meinen Rechnungen aus.
Für umsatzsteuerpflichtige Unternehmen stellt die Umsatzsteuer einen so genannten durchlaufenden Posten dar. Umsatzsteuer wird eingenommen und an das Finanzamt abgeführt, gezahlte Umsatzsteuer (Vorsteuer genannt) wird mit der zu zahlenden Umsatzsteuer verrechnet und vom Finanzamt erstattet. In diesem Zusammenhang ist es für das Unternehmen also nicht relevant, ob ich die Kleinunternehmerregelung nutze oder nicht, da die Umsatzsteuer das Ergebnis des Unternehmens nicht verändert.

In der Zusammenarbeit mit Endverbrauchern/Privatpersonen kann die Nutzung der Kleinunternehmerregelung allerdings einen Vorteil darstellen.
Der Endverbraucher ist der eigentliche Träger der Umsatzsteuer, wir können uns diese nicht vom Finanzamt erstatten lassen. Berechne ich meine Leistungen an Endverbraucher und nutze die Kleinunternehmerregelung, so ist die Endsumme für den Kunden günstiger als bei Nutzung der Regelbesteuerung. Ich kann gegenüber der Konkurrenz also deutlich günstiger anbieten.
Dies kann sich unter zwei Voraussetzungen lohnen:

1. Meine Ausgaben sind gering, bzw. der entgangene Vorsteuerabzug hebt diesen Preisvorteil nicht auf. Denn, mit der Kleinunternehmerregelung verzichte ich auch auf die Möglichkeit mir die gezahlte Vorsteuer vom Finanzamt zurückzuholen.

2. Ich beabsichtige langfristig die Kleinunternehmerregelung zu nutzen. Ansonsten habe ich eine große Preiserhöhung (aus Sicht der Kunden, die als Endverbraucher sich die Steuer nicht wiederholen können), wenn ich in die Regelbesteuerung wechsle.

Alternativ ist es auch möglich, den Preisvorteil zu nutzen, um die Gewinnmarge zu erhöhen

Was du in der Kalkulation beachten musst.

In der Preiskalkulation darf die Entscheidung nicht vergessen werden.
Die Ausgaben, die ich in meiner Kalkulation ansetze, dürfen bei Nutzung der Kleinunternehmerregelung nicht mehr Netto angesetzt werden. Wir müssen nunmehr die Vorsteuer ebenfalls als Kosten einrechnen. Ob du in deiner Kalkulation an alle Ausgaben gedacht hast, kannst du hier prüfen.

Bei kostenintensiven Gewerben, muss also geprüft werden, ob der Preisvorteil für den Kunden spürbar besteht oder ggf. durch die höheren Kosten teilweise aufgehoben wird

Zusammenfassung

Die Nutzung der Kleinunternehmerregelung kann einen Preisvorteil für Endkunden darstellen. Der fehlende Vorsteuerabzug sorgt allerdings für eine Erhöhung der Kosten.

Bist du dir unsicher mit der Kalkulation deines Stundensatzes? Hier findest du meinen Online-Kurs mit meiner erprobte Kalkulationsvorlage UND einer Schritt-für-Schritt-Anleitung mit vielen wichtigen Hinweisen.