Der Brutto-Lohn als verlässliche Grundlage für den Stunden- oder Tagessatz?

Bei dem Wechsel vom Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit ist es uns in der Regel ein Bedürfnis unseren Selbststandard zu halten oder zu verbessern. 

Geht dir das auch so?

Mit diesem Gedanken im Hintergrund scheint es logisch zu sein, unseren ehemaligen Brutto-Lohn als Grundlage oder Anhaltspunkt für die Berechnung eines Stundensatzes zu nehmen. Auch von Bekannten oder im Internet bekommen wir häufig den Tipp, den Brutto-Lohn als Umsatzziel zu definieren.

Warum rate ich dir davon ab?

Der Brutto-Lohn stellt nur einen Teil der Kosten dar, die ein Arbeitnehmer dem Unternehmen verursacht.

Im Brutto-Lohn sind unter anderem nicht berücksichtigt:

  • die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung,
  • Urlaubs- oder Weihnachtsgeld,
  • Boni
  • Ausgaben für Weiterbildungen, Arbeitsplatz, Büromiete, Büromaterial oder Laptop/PC
  • nicht so offensichtliche Kosten, wie z.B. Zuschüsse für die Verpflegung (Kantine, Kaffee, Getränke) oder Toilettenpapier.
  • ggf. Kinderbetreuungszuschüsse, Firmenevents, Fahrtkosten etc.
Auch die Tatsache, dass das Gehalt während des Urlaubes und bei Krankheiten weitergezahlt wird, wird im Brutto-Lohn nicht berücksichtigt.

Je nach Arbeitsplatz, stand der Ausbildung, vertraglichen Vereinbarungen und weiteren Variablen, weicht der Brutto-Lohn erheblich von den eigentlichen Kosten ab und kann daher nicht als Grundlage einer langfristigen und wirtschaftlichen Preis- oder Stundensatzkalkulation dienen.

Fehlt da nicht noch etwas?

Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit verändern sich zusätzlich noch unsere Ausgaben. Benötige ich Werkzeug, Arbeitsmaterial, kostenpflichtige Programme/Software oder Büroräume, so müssen diese in die Kalkulation einfließen.
Hole ich mir Unterstützung durch freie Mitarbeiter, Buchhalter oder virtuelle Assistenten sind diese Kosten ebenfalls zu berücksichten.
Das sind allerdings nur die relativ offensichtlichen Kosten.

Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit verändern sich oft auch die privaten Ausgaben. Arbeiten wir im Homeoffice, so verändern sich Strom-, Wasser- und Heizkosten, ggf. Ausgaben für Telefon und Internet und z.B. auch der Toilettenpapierverbraucht steigt an.

Ein Beispiel

Angenommen wir haben ein Bruttogehalt von 3000€, gehe ich davon aus, dass ich monatlich 17 Tage arbeite, komme ich auf einen Tagessatz von ca. 176,50€.

Allein die Arbeitgeberanteile der Sozialversicherung (Krankenkasse, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung) betragen bei einem Brutto von 3000€ ca. 705€, weitere Kosten die ein Arbeitnehmer verursacht sind hier noch nicht berücksichtigt.
Mache ich die selber Rechnung nun mit 3705€ so komme ich auf einen Tagessatz von 217,94€.
Der Unterschied beträgt 41,44€ pro Tag. Immernoch nicht berücksichtigt sind hier alle weiteren Ausgaben, die ich weiter oben aufgeführt habe, der tatsächliche Unterschied wird also noch deutlich höher liegen.

Der Preis ist eine wichtige Grundlage für unsere Selbstständigkeit. Nicht nur Kosten wollen gedeckt werden. Wir brauchen Rücklagen, Kapital um zu investieren, müssen uns weiterbilden, Urlaube bezahlen und in der Zeit von den Rücklagen leben, für Krankheit und Alter vorsorgen und dann möchte wir das Leben auch genießen.
Mit falschen Preise ist das alles nicht möglich.

Daher an dieser Stelle mein Appell:

Schenke deinen Preise deine Aufmerksamkeit!