Den Stundensatz mit einer einfachen Formel berechnen, geht das?

Eine essentielle Frage zur Beginn der Selbstständigkeit ist:

 

Welchen Stundensatz muss ich ansetzen, um kostendeckend zu arbeiten? 

Wie so viele vor und nach mir, habe ich angefangen zu recherchieren und bin dabei auf verschiedene Angaben und Informationen gestoßen.

Dabei war auch eine Formel, die mich ehrlich gesagt, damals schon geärgert hat. Ich möchte Dir diesen Rechenweg vorstellen und warum ich ihn nicht empfehlen würde.

Gesamtkosten / 30 * 1,3 = Tagessatz

Ich muss gestehen, wenn ich diese Formel lese, bekomme ich nervöse Zuckungen.

Warum ich diesen Rechenweg nicht empfehlen kann

1. Mir ist die Grundlage der Kalkulation, die Gesamtkosten, schon zu schwammig. Gerade, wenn man sich frisch selbstständig gemacht hat, sind einige Kosten nicht bekannt, ich muss also unbedingt einen Puffer einbauen.

Dazu kommt: Bei manchen Tätigkeiten steigen die Kosten mit dem Umsatz, dies wird nicht beachtet. Zukünftige Investitionen, sich verändernde Lebenshaltungskosten, die Betrachtung der Marktsituation, all diese Parameter gehören für mich zu einer vollständigen Kalkulation dazu.

2. Es werden keine Sparsummen berücksichtigt.
Wie wichtig ein finanzielles Polster ist, brauche ich wohl nicht erwähnen.

3. Die Gesamtkosten werden durch 30 geteilt, um auf einen Tagessatz zu kommen.
Aber wer arbeitet kontinuierlich 30 Tage im Monat? Selbst wenn ich super motiviert bin und die Wochenenden durcharbeite, komme ich im Jahresschnitt nicht auf 30 Tage Arbeit pro Monat.
Gehe ich davon aus, dass ich die normalen Arbeitstage von ca. 250 Tagen im Jahr arbeite und rechne ich noch Urlaub (30 Tage) und ein paar Krankentage ab (14 Tage), komme ich auf 17 Arbeitstage im Schnitt pro Monat.

4. Warum multiplizieren mit 1,3?
Lese ich mehr zu der Formel, soll der Aufschlag von 30% einen Puffer darstellen.
Hier muss ich sagen, ich mag grundsätzlich keine pauschalen Aufschläge. Denn sie passen nie ganz.

5. Wo sind die Steuern?
Die werden tatsächlich ganz vergessen. Und ich meine jetzt nicht die Umsatzsteuer, sondern die Einkommenssteuer, die ich nach meiner Einkommenssteuererklärung abführen muss.

Eine Vergleichsrechnung

 

Bei Gesamtkosten von 3000€ komme ich bei der Formel auf einen Tagessatz von 130,00€.
Lege ich die tatsächliche durchschnittliche Zahl der Arbeitstage zu Grunde (17 Tage pro Monat) komme ich auf einen Tagessatz von 229€.

Alleine durch die Anpassung auf eine realistische Anzahl an Arbeitstagen, ohne weitere Änderungen der Formel, beträgt die Differenz 99€ pro Tag. ‚
Bei 17 Arbeitstagen pro Monat sind es unglaubliche 1683€ die in meiner Kalkulation fehlen.

Eine gute, wirtschaftliche Kalkulation ist viel komplexer. Möchtest du mehr darüber wissen? Dann buche gerne eine meiner kostenlosen 20 Minuten Beratungen.